-
Missauer
Yvonne
Licht - Raum - Kunst
-
-
Licht - Raum - Kunst: Fallbeispiele aus zeitgenössischen Museen
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob in den heimischen Museen die Richtlinien und Empfehlungen der maßgeblichen Lichtplaner und Leuchtenhersteller umgesetzt werden bzw. in welchen Fällen Abweichungen auftreten. Für die Studie wurden die Ausstellungshäuser Albertina, Sammlung Essl und MUMOK ausgewählt, da sie sich in den Kriterien Standort, Architektursprache, Raumorganisation, Planer, Bauherr und Lichtplanung voneinander unterscheiden.
In den einzelnen Museen wurden zunächst die Ausstellungsräume hinsichtlich Größe, Form, Oberflächengestaltung, Tageslichteinfall und Kunstlicht ausgewählt.
Die daraufhin in den einzelnen Räumen untersuchten Objekte sollten sich in Art, Aufstellung, Beleuchtung und Orientierung zum Fenster voneinander unterscheiden (Abb. 1). Die Räume wurden anhand einer zuvor zusammengestellten Checkliste durch Messungen (Beleuchtungsstärke, Fläche, Höhe, Einbauten, Fensterflächen etc.) und vorgegebene Kriterien objektiv bewertet. Danach erfolgte die Vermessung der Objekte (Beleuchtungsstärke, Leuchtdichte, Abmessungen, Lage im Raum, Abstand zur Fensterfront etc.).

Die Ergebnisse dieser Messungen und Beobachtungen wurden anschließend den internationalen Richtlinien und den Arbeitsweisen der heimischen Lichtplaner und Kuratoren gegenübergestellt: Insgesamt dominiert in den vermessenen Räumen in Relation zu den Bodenflächen die elektrische Beleuchtung. Die Messung der Beleuchtungsstärke am Boden zeigt in Abb. 2, dass in den tagesbelichteten Räumen A8 und M1 und denen der Sammlung Essl die Werte deutlich über den empfohlenen 50 bis 300 lx liegen. In den Räumen mit Kunstlicht, wo für die allgemeine Beleuchtung vor allem Leuchtstofflampen eingesetzt werden, liegen die Messwerte darunter. Bei den vermessenen Objekten handelt es sich zum überwiegenden Teil um Gemälde, Zeichnungen und Grafiken. Die Messung der Beleuchtungsstärke im Mittelpunkt des Objektes, am Rand und in etwa 50 cm Entfernung auf dem Hintergrund führt zu dem Schluss, dass bei der Präsentation der Objekte meist Akzente gesetzt werden, indem der Mittelpunkt des Objektes im Vergleich zum Randbereich um das Objekt stärker beleuchtet wird (Abb. 3). Aus den gemessenen Werten lässt sich eine Überprüfung der jährlich zulässigen Beleuchtungsstärke der Objektmaterialien in den Museen durchführen. In Abb. 4 sind die Werte der Objekte mit dem Material Leinwand dargestellt. Es wird deutlich, dass die Beleuchtung in der Albertina am ehesten den Vorgaben entspricht. In der Sammlung Essl und im MUMOK sind die Objekte entweder zu lange ausgestellt oder zu stark beleuchtet.

Insgesamt wurden in den untersuchten Museen keine groben Abweichungen von den Richtlinien und Empfehlungen festgestellt. Dennoch gibt es evaluierte Bereiche, bei denen die Ergebnisse nicht den vorgegebenen Werten und Prinzipien entsprechen: Die Flexibilität der großen Hallen des MUMOK erweitert die Möglichkeiten der Präsentation und wird von den Kuratoren sehr geschätzt, allerdings erschwert dies die optimale Anpassung der Beleuchtung und es konnten immer wieder unerwünschte Schattenwürfe, Reflexionen und Spiegelungen festgestellt werden. Im Gegensatz dazu sind in den Räumen der Albertina die fixen Vorrichtungen für zusätzliche Wandscheiben und Vitrinen bereits vorhanden und es können die Systeme für die Beleuchtung optimal ausgerichtet werden. Obwohl der horizontale Abstand und der Einfallswinkel auf die Objekte nicht eingehalten wurden, konnten aufgrund der verbesserten Abblendeigenschaften der Leuchten und der zusätzlichen Abschirmungen in der Albertina und der Sammlung Essl nur in wenigen Fällen Blendungen und unerwünschte Schattenwürfe beobachtet werden. Die verwendeten Leuchten und Leuchtmittel und die Überprüfung der maximal empfohlenen Beleuchtungsstärke und Ausstellungsdauer der häufig verwendeten Materialien in Lux-Stunden pro Jahr, lassen darauf schließen, dass in der Albertina ein fundiertes Wissen und Bewusstsein für die Konservierung vorhanden ist.

Der Vergleich der gemessenen Beleuchtungsstärke mit den empfohlenen Werten zwischen 50 und 300 lx zeigt, dass diese Werte in den tagesbelichteten Räumen der Sammlung Essl häufig überschritten werden. Diese Erkenntnis schließt die Ausstellung hoch empfindlicher Gegenstände aus. Die Sammlung Essl stellt aber auch nicht den Anspruch, empfindliche Objekte zu zeigen, sondern verschreibt sich dem Ziel, moderne Kunst im angenehm natürlichen, optischen Raumklima zu zeigen. Bestätigt wird dieser Ansatz durch die Beurteilung der Testpersonen, welche sich in den tagesbelichteten Räume wohler fühlten und hier sowohl das Raumklima als auch das museale Erlebnis besser beurteilten.
-
-